130 Jahre Nostalgie auf Schienen
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Die älteste Dampflokomotive der Minièresbunn Doihl feiert Geburtstag
Während Wilhelm Conrad Röntgen im Jahr 1895 die nach ihm benannten Röntgenstrahlen entdeckte, verließ in München eine kleine, aber bemerkenswerte Dampflokomotive die Werkshallen der Firma Krauss. Heute, 130 Jahre später, dampft sie immer noch durch den Minett Park Fond-de-Gras und begeistert Eisenbahnliebhaber und Nostalgiker gleichermaßen.
Die von den Mitgliedern des Vereins Minièresbunn Doihl liebevoll gepflegte Lokomotive mit der Nummer 4 ist eine echte Rarität und besitzt eine faszinierende Geschichte. Ursprünglich diente sie in der Schmelz von Steinfort, bevor sie während des Zweiten Weltkriegs in einer Lederfabrik in Wiltz eingesetzt wurde. Später landete sie beinahe auf dem Schrottplatz – doch ein passionierter Eisenbahnfreund, Herr Baldauff, rettete sie. In seinem Garten, unweit des Boulevard Royal in Luxemburg Stadt, stellte er die kleine Lok einmal im Monat sonntags den vorbeigehenden Passanten vergnügt zur Schau – eine Vorstellung, die heute ein Schmunzeln hervorruft. Nach seinem Tod kam sie schließlich in den Besitz des Service des sites et monuments nationaux (heute: Institut national pour le patrimoine architectural) und fand ihren Weg in den Minett Park, wo sie heute eine echte Attraktion ist.
Trotz ihrer bescheidenen 30 PS – zum Vergleich: modernere Elektrolokomotiven des Vereins haben rund 160 PS – hat die Lok ihre eigene Stärke. Da ihr Feuerkasten im Verhältnis zum Kessel größer ist als bei anderen Dampfloks, kommt sie besonders schnell auf Temperatur. Nach rund vier Stunden ist sie betriebsbereit – schließlich will das Wasser im Kessel dennoch langsam und materialschonend erhitzt werden. Dank des geringen Rollwiderstands von Eisenbahnen kann sie trotz ihres Alters noch so manche Last ziehen.
Auch ihre Vergangenheit ist noch sichtbar: Während einer aufwendigen Restaurierung im Jahr 2002 im Dampflokwerk Meiningen entschied man sich bewusst, Einschusslöcher in der Führerkabine nicht zu entfernen. Diese Spuren, Zeugen der turbulenten Kriegsjahre, verstärken noch den einzigartigen Charakter der Krauss 4.
Heute tuckert die kleine Lok durch die malerische Landschaft zwischen Fond-de-Gras und Doihl, und lässt Besucher in die Zeit des luxemburgischen Eisenerzabbaus des letzten Jahrhunderts eintauchen. Wer sie aus nächster Nähe erleben will, sollte sich eine Fahrt nicht entgehen lassen – schließlich wird man nicht jeden Tag von einer 130-jährigen Lok in die Vergangenheit entführt.